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Prostatakrebs

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Überblick

Prostatakrebs ist in Deutschland die bei Männern am häufigsten diagnostizierte Krebserkrankung[1]. Männer, die jünger als 50 sind, erkranken nur sehr selten, danach nimmt die Zahl der Neuerkrankungen mit den Lebensjahren stetig zu. Obgleich Prostatakrebs eine vergleichsweise wenig aggressive Tumorerkrankung ist, stellt er aufgrund der hohen Zahl von Betroffenen (nach Lungen- und Darmkrebs) die dritthäufigste tödliche Krebsform bei Männern dar.

In der Regel schreitet ein Prostatakarzinom über einen längeren Zeitraum hinweg kaum voran. Oftmals reicht es daher vorerst, einen erkannten Prostatakrebs lediglich gut zu überwachen, anstatt ihn sofort therapeutisch anzugehen.

Dennoch drängen viele Betroffene auf eine Behandlung, die aus medizinischer Sicht nicht zwingend erforderlich wäre. Das Wissen um den Tumor ist dabei so unangenehm, dass die möglichen Nebenwirkungen einer Therapie in Kauf genommen werden.

Umgekehrt gibt es aber auch Patienten, bei denen eine Therapie des Prostatakrebs medizinisch sinnvoll ist und die aufgrund der möglichen Behandlungsfolgen (z. B. Inkontinenz und Impotenz) sehr lange zögern, sich behandeln zu lassen.

Wichtig zu wissen ist, dass Sie als Betroffener im Allgemeinen genug Zeit haben, sich ausführlich zu informieren und alle Behandlungsoptionen sorgsam gegeneinander abzuwägen.

Mit unserem Angebot wollen wir Sie dabei unterstützen, die relevanten Risikofaktoren von Prostatakrebs, die aktuellen Diagnosemöglichkeiten und möglichen Therapieoptionen kennenzulernen.

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Übersicht der männlichen Geschlechtsorgane

Risikofaktoren

Zwei der Hauptrisikofaktoren für Prostatakrebs können Sie leider nicht beeinflussen: das natürliche Alter und die genetische Veranlagung. So steigt die Wahrscheinlichkeit, ab dem 50. Lebensjahr an Prostatakrebs zu erkranken stark an.

Das Risiko erhöht sich nochmals deutlich, wenn schon andere Familienmitglieder betroffen waren. In diesem Fall sollten Sie die ab 45 Jahren kostenlosen Vorsorgeuntersuchungen beim Hausarzt oder Urologen regelmäßig wahrnehmen.Es gibt jedoch auch andere Einflüsse, die das Entstehen von Prostatakrebs begünstigen können. So zeigt eine wissenschaftliche Arbeit[2], dass der Genuss von Fleisch, insbesondere rotem Fleisch, das Risiko einer Erkrankung erhöhen kann. Zusätzlich wird Übergewicht als weiterer Risikofaktor diskutiert. Wie bei vielen anderen Krebsarten scheinen sich Zigarettenrauchen und übermäßiger Konsum von Alkohol ebenfalls ungünstig auszuwirken.

Interessant ist das Ergebnis einer 2003 publizierten Studie[3]: Darin wurde der Zusammenhang zwischen Faktoren des Geschlechtslebens und dem Auftreten von Prostatakrebs untersucht. Während z. B. die Zahl der Sexualpartner keinen Zusammenhang ergab, zeigte sich für häufige Samenergüsse im Alter zwischen 20 und 30 Jahren ein schützender Effekt.

Diagnose

In der Regel spüren Sie nicht, dass Sie Prostatakrebs haben. Lediglich sehr große Tumoren, die auf den Enddarm drücken können, sowie Metastasen in anderen Körperregionen verursachen Schmerzen. Beschwerden wie Gewichtsverlust, Nachtschweiß oder Blutarmut treten in der Regel ebenfalls erst im fortgeschrittenen Stadium auf. Prostatakrebs selbst frühzeitig zu erkennen, ist daher fast nicht möglich.

Das gesetzliche Früherkennungsprogramm für Prostatakrebs richtet sich in Deutschland an alle Männer ab 45[4]. Sie können sich dann einmal pro Jahr kostenlos auf Prostatakrebs untersuchen lassen. Ihr Arzt tastet dabei die Genitalien, die dazugehörigen Lymphknoten in der Leiste und die Prostata selbst vom Enddarm aus ab. Der Nachteil dieser Untersuchung besteht darin, dass Ihr Arzt auf diesem Wege nur relativ große Tumoren der Prostata ertasten kann. Kleinere Krebsherde, die besser behandelt werden könnten, bleiben meist unentdeckt. 

Eine vergrößerte Prostata ist meist Resultat einer gutartigen, altersbedingten Wucherung. Unangenehme Begleiterscheinung: häufiger Harndrang, da eine vergrößerte Prostata Druck auf die Harnröhre ausübt. Unter Umständen können auch Blasenentzündungen entstehen, wenn die Blase sich nicht mehr vollständig entleeren lässt. So lästig diese Symptome auch sein mögen, sie sind in der Regel kein Anzeichen für Prostatakrebs: Bösartige Veränderungen der Prostata bilden sich nämlich meist auf der dem Darm zugewandten Seite und üben daher keinen Druck auf die Harnröhre aus.

Untersuchung

Nach den Empfehlungen der deutschen Fachgesellschaften[5] wird zusätzlich zu der erwähnten Tastuntersuchung (digitale-rektale Untersuchung) bei der Früherkennung des Prostatakarzinoms die Bestimmung des Gesamt-PSA-Wertes aus dem Blut empfohlen.

PSA (prostataspezifisches Antigen) wird in der Prostata gebildet. Es ist ein Eiweißstoff, der bei verschiedenen Erkrankungen der Prostata vermehrt ins Blut abgegeben wird, beispielsweise bei einer Entzündung, einer gutartigen Vergrößerung oder einem Tumor.

Als Ergänzung wird häufig vom Enddarm aus eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt, die sogenannte transrektale Sonographie. Dabei führt der Arzt eine spezielle Ultraschallsonde vorsichtig in den Darm ein, um die Prostata genauer untersuchen zu können. Jedoch erst die Entnahme von Prostatagewebe im Rahmen einer Biopsie und der Nachweis von Tumorzellen in dieser Probe können einen Krebsverdacht sicher bestätigen.

In der Regel wird eine Biopsie unter örtlicher Betäubung ambulant durchgeführt, Sie müssen also nicht mit einem stationären Krankenhausaufenthalt rechnen. Ein parallel durchgeführter Ultraschall ermöglicht es dem Arzt, die Nadel exakt zu führen. Üblicherweise werden aus jedem Prostatalappen fünf Gewebeproben entnommen. Sollten im Vorfeld bereits Auffälligkeiten festgestellt worden sein, sind weitere Proben aus diesen Regionen der Prostata notwendig. Damit es nach der Biopsie nicht zu Entzündungen kommt, erhalten Sie vorbeugend Antibiotika.

Da die Analyse der Gewebeproben in Speziallabors stattfindet, müssen Sie einige Tage auf den Befund warten. Wenn kein Tumorgewebe nachgewiesen werden konnte, die PSA-Werte aber weiterhin erhöht sind, sollte nach einer gewissen Wartezeit erneut eine Biopsie durchgeführt werden.

Sollte sich der Verdacht auf Prostatakrebs bestätigen, kann es sein, dass auch nach Streuherden gefahndet werden muss. Da Prostatakrebs häufig in den Knochen Metastasen bildet, setzt man dazu auch nuklearmedizinische Bildgebungsverfahren wie PET (Positronen-Emissions-Tomographie) oder SPECT (Single-Photon-Emission-Computed-Tomography) ein. Sie geben dem Arzt Einblick in den Knochenstoffwechsel und machen Auffälligkeiten, wie sie für Tumoren charakteristisch sind, sichtbar.

Prostatakrebs Untersuchungsmethoden

Behandlung

Die Behandlung von Prostatakrebs richtet sich nach der Größe des Tumors, ob er noch lokal auf die Prostata begrenzt ist oder ob sich bereits Metastasen gebildet haben. Andererseits spielt aber auch das Alter des Patienten eine Rolle: Da Prostatakrebs mit zunehmendem Alter nur noch sehr langsam weiterwächst, beschränkt sich die Therapie bei Männern über 75 häufig auf die sogenannte „aktive Überwachung“. Dabei werden engmaschig Kontrolluntersuchungen durchgeführt, auf eine weitergehende Therapie wird jedoch zunächst verzichtet.

Sollte der Tumor schon weiter fortgeschritten sein, ist eine Therapie meist unumgänglich. In Betracht kommen hier die radikale Prostataentfernung oder die Strahlentherapie. In der operativen Therapie wird der Operateur neben der Prostata auch die Samenblasen und benachbarte Lymphknoten entfernen. Leider kommt es infolgedessen bei manchen Männern zu Impotenz und Inkontinenz.

Als hinsichtlich der Heilungschance gleichwertig anzusehende Alternative steht eine Strahlentherapie zur Verfügung. Dabei stehen zwei Behandlungsmethoden zur Wahl: Eine Bestrahlung von außerhalb des Körpers (perkutane Strahlentherapie) mit meist anschließender zeitlich begrenzter Hormontherapie oder das Freisetzen von Strahlung über sogenannte Seeds (Brachytherapie). Seeds sind kleine kurzstrahlende Elemente, die mittels Punktionsnadeln unter Ultraschallüberwachung direkt im Tumorgewebe positioniert werden und den Tumor von innen heraus zerstören. Mögliche Nebenwirkungen der Strahlentherapie sind eine Schädigung der Schleimhaut des Enddarms oder der Harnblase. Zusätzlich können in gewissem Umfang auch Inkontinenz und Impotenz auftreten.

Gute Erfolge lassen sich auch oft mit einer Hormonentzugstherapie erzielen. Sie macht sich die Tatsache zunutze, dass ohne die Zufuhr von Testosteron das Tumorwachstum gebremst wird oder sich sogar auf Jahre hinaus stoppen lässt. Sie erhalten dann hormonunterdrückende Medikamente in Form einer Depotspritze oder zum Einnehmen. Mögliche Nebenwirkungen gerade zu Beginn der Therapie sind Hitzewallungen, eine verminderte Libido oder Einschränkungen der Potenz.

Ist eine Chemotherapie nötig, um das Wachstum des Tumors bei metastasierter Tumorsituation zu verzögern, müssen Sie mit umfangreicheren Nebenwirkungen rechnen. Eine Chemotherapie hat auf alle sich schnell teilenden Zellen des Körpers Einfluss. Übelkeit, Appetitverlust und Erbrechen sowie ein vorübergehender Haarverlust können die Folge sein.

Generell gilt: Je frühzeitiger Prostatakrebs erkannt wird, desto besser sind Ihre Heilungschancen. Doch selbst wenn die Erkrankung schon weiter fortgeschritten ist, lässt sich Prostatakrebs in den meisten Fällen gut kontrollieren, so dass Sie trotz Krebs noch lange weiterleben können.

Prostatakrebs Behandlungsmethoden