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Herzinfarkt

Überblick

Ein Herzinfarkt (Myokardinfarkt) ist in Deutschland mit die häufigste Todesursache[1]. Verursacht wird ein Herzinfarkt durch den akuten Verschluss eines Herzkranzgefäßes. Da der Herzmuskel über diese Gefäße mit sauerstoffreichem Blut versorgt wird, kommt es bei einem plötzlichen Verschluss zu einer mangelhaften Durchblutung des abhängigen Herzmuskelareals. Es resultiert ein Absterben von lebenswichtigem Herzmuskelgewebe, wenn der Verschluss nicht innerhalb kurzer Zeit wiedereröffnet wird. Deshalb ist bei einem Herzinfarkt schnelles Handeln gefragt – je eher das verschlossene Herzkranzgefäß wieder durchgängig gemacht werden kann, desto größer ist die Heilungschance. Auch heute versterben noch ca. 30% der Herzinfarktpatienten, die meisten bevor sie ein Krankenhaus erreichen. Auch das Risiko für eine Herzschwäche als Folge eines Herzinfarkts lässt sich so meist deutlich reduzieren. Für Betroffene bedeutet dies: eine bessere Überlebenswahrscheinlichkeit und mehr Lebensqualität nach dem Herzinfarkt.

Viele Menschen glauben, dass ein Herzinfarkt eine Erkrankung ist, von der in erster Linie Männer betroffen sind. Das stimmt aber nicht! Männer erleiden statistisch gesehen nur wesentlich früher als Frauen einen Herzinfarkt[2]. Das liegt daran, dass die Herzkranzgefäße von Frauen durch das Hormon Östrogen besser geschützt sind. Durch einen hohen Östrogenspiegel kommt es zu weniger Ablagerungen (Plaques) in der Wand der Herzkranzgefäße. Dieser Hormonschutz sorgt dafür, dass ein Herzinfarkt bei Frauen meist erst nach den Wechseljahren auftritt.

Gerade bei einem Herzinfarkt gilt: Informieren Sie sich rechtzeitig über die Erkrankung und ihre typischen Symptome. Mit unserem Angebot wollen wir Sie dabei unterstützen, im Ernstfall schneller zu reagieren und so Ihre Überlebenschancen bzw. die anderer betroffener Personen zu erhöhen. Zudem erfahren Sie, welche Risikofaktoren für einen Herzinfarkt es gibt und wie ein Herzinfarkt erkannt und behandelt wird.

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Risikofaktoren

Die einem Herzinfarkt zu Grunde liegende Erkrankung ist die sogenannte Koronare Herzkrankheit (KHK). Darunter versteht man die Ablagerung von Plaques in der Wand der Herzkranzgefäße. Das Krankheitsgeschehen kann bereits im zweiten Lebensjahrzehnt beginnen und verursacht oft jahrzehntelang keinerlei Beschwerden. Im Laufe der Jahre kommt es so unbemerkt zu einer zunehmenden Verengung der Herzkranzgefäße. Ist das Gefäßlumen um mehr als 50 Prozent verengt, wird der Blutfluss reduziert und der abhängige Herzmuskel nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Betroffene verspüren dann zunächst bei körperlicher Belastung, später aber auch in Ruhesituationen Beschwerden wie Schmerzen im linken Brustkorb mit Ausstrahlung in den linken Arm, ein Druckgefühl im Brustkorb oder Atemnot. Dieser Symptomkomplex heißt Angina pectoris.

Wie aber kommt es zur Plaquebildung in den Herzkranzgefäßen, die das Herz mit sauerstoffreichem Blut versorgen? Als Hauptrisikofaktoren gelten Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), hoher Blutdruck, erhöhte Cholesterinwerte, zu wenig Bewegung und auch Rauchen. Doch auch das Alter spielt eine Rolle: Wenn Sie als Mann über 45 sind und als Frau älter als 55 sollte ein Gesundheits-Check bei Ihrem Hausarzt ein jährlicher Pflichttermin sein. Falls Ihr Arzt bei Ihnen eine Anhäufung der genannten Risikofaktoren feststellt, wird er zunächst ein EKG anfertigen, das erste Hinweise auf das Vorliegen einer KHK liefern kann. Die nächste Stufe der Abklärung ist meist ein Belastungs-EKG. Sollten hierbei Auffälligkeiten auftreten oder andere Gründe dafür sprechen, wird Ihr Arzt Sie zur weiteren diagnostischen Abklärung und Behandlung an einen Kardiologen überweisen.

Mitunter kann auch eine genetische Vorbelastung einen Herzinfarkt begünstigen. Das gilt insbesondere dann, wenn bei einem oder mehreren Familienmitgliedern bereits in jungen Jahren eine KHK diagnostiziert wurde oder gar ein Herzinfarkt aufgetreten ist. Allerdings gibt es noch zuwenig Informationen zu diesem Gebiet, sodass Gentests nicht empfohlen werden.

Sie selbst können mit dazu beitragen, einem Herzinfarkt vorzubeugen. Achten Sie nicht erst im fortgeschrittenen Alter auf eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung (ca. 3-mal pro Woche 30 bis 45 Minuten), vermeiden oder reduzieren Sie Übergewicht und verzichten Sie auf Zigaretten.
Und essen Sie Schokolade. Auf dem diesjährigen Europäischen Kardiologenkongress wurde die Analyse von sieben wissenschaftlichen Studien vorgestellt, die zeigte, dass der mäßige Genuss von Schokolade das Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden, um ca. 30 % vermindert! Und ein (!) Gläschen Wein pro Tag scheint auch positiv zu sein.

Diagnose

Meist ist ein Herzinfarkt für den Betroffenen ein völlig überraschendes Ereignis, das tendenziell häufiger am frühen Morgen oder bei Anstrengungen auftritt. Aber auch psychischer Stress wie z. B. ein heftiger Streit oder die Aufregung bei einem Sportereignis können einen Herzinfarkt auslösen.

Typisches Symptom ist ein plötzlich einsetzender starker Brustschmerz, oft verbunden mit einem Druckgefühl im Brustkorb und Atemnot. Ein Schmerz, der auch in Ruhe anhält, tendenziell zunimmt und oft Todesangst erzeugt. Häufig strahlen die Schmerzen auch in die Arme, die Schulter, den Unterkiefer oder den Oberbauch aus. Viele Patienten leiden zudem unter Atemnot, Unruhe, kalten Schweißausbrüchen, Übelkeit und Erbrechen. Nicht wenige Herzinfarkte verursachen allerdings auch gar keine bzw. sehr untypische Symptome. Solch ein „stummer Infarkt“ wird dann oft erst nachträglich, z. B. anlässlich einer EKG-Untersuchung, diagnostiziert.

Wenn Sie auch nur den geringsten Verdacht haben, bei Ihnen könnte ein Herzinfarkt vorliegen – zögern Sie nicht, sondern rufen Sie per 112 den Rettungsdienst! Verlieren Sie keine wertvolle Zeit, indem Sie erst den Hausarzt konsultieren und fahren Sie in keinem Fall selbst in die Klinik.

Sollten nicht Sie selbst betroffen sein, sondern ein Angehöriger, Arbeitskollege oder Nachbar, so versuchen Sie den Betroffenen bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes zu beruhigen. Lagern Sie den Oberkörper hoch und lockern Sie die Kleidung, damit er besser atmen kann. Falls der Betroffene das Bewusstsein verliert und Sie keine Atmung und/oder keinen Puls mehr feststellen können, müssen Sie sofort mit einer Herzdruckmassage beginnen. An Flughäfen, Bahnhöfen und vielen anderen öffentlichen Orten gibt es zunehmend automatische Defibrillatoren. Benutzen Sie diese, falls bei einem Bewusstlosen der Verdacht auf einen Herzinfarkt besteht: Sie können so mögliches Kammerflimmern – und damit die Hauptursache eines plötzlichen Herztodes – beenden.

Frauen erleiden zwar seltener einen Herzinfarkt als Männer. Sie sterben aber häufiger daran. Der Grund: Oft wird ein Herzinfarkt bei Frauen nicht als solcher erkannt, denn sie haben sehr viel häufiger als Männer untypische Symptome. Manchmal fehlt der charakteristische Brustschmerz völlig, es treten lediglich Schmerzen im Oberbauch verbunden mit Übelkeit und Erbrechen auf. Dies lässt Betroffene zunächst nicht an einen Herzinfarkt denken – und leider auch viele Ärzte, bei denen sie sich vorstellen.

Untersuchung

Bei einem Herzinfarkt muss so schnell als möglich die richtige Diagnose gestellt werden, um die adäquate und oft lebensrettende Behandlung möglichst früh einleiten zu können. Zur Basisdiagnostik zählen neben Anamnese und körperlicher Untersuchung insbesondere die Elektrokardiographie (EKG) und der sogenannte Troponin-Test. Das EKG zeigt die elektrische Aktivität des Herzens, die bei einem Herzinfarkt in der Regel charakteristische Veränderungen im Vergleich zum Normalzustand aufweist. Troponin ist ein wesentliches Strukturprotein, das nur in Herzmuskelzellen vorkommt; sterben diese ab, so kommt es zu einem pathologischen Anstieg der Troponine im Blut.

Sowohl EKG als auch Troponin-Test zeigen aber oft erst vier bis sechs Stunden nach Einsetzen der Symptome herzinfarkttypische Veränderungen. Wenn bei einem Patienten der Verdacht auf einen akuten Herzinfarkt besteht, EKG- und Labordiagnostik aber zunächst keinen entsprechenden Befund geliefert haben, werden daher ergänzend weitere Diagnosemethoden eingesetzt. Mittels Herzultraschall (Echokardiographie) oder einer kardialen MRT-Untersuchung lässt sich z. B. nachweisen, ob Herzmuskelareale eventuell nicht mehr kontrahieren. Dies wäre ein weiterer Hinweis auf einen Herzinfarkt. Die Darstellung der Herzkranzgefäße ist in dieser Situation natürlich von großem Nutzen. Dies kann heute nicht nur mittels einer Herzkatheteruntersuchung geschehen, sondern auch mittels Computertomographie. Findet sich ein Koronarverschluss ist die Diagnose eines Herzinfarktes gesichert, und die entsprechende Therapie kann eingeleitet werden.

In manchen Fällen führt ein Herzinfarkt auch zu Herzrhythmusstörungen.

Sind diese besonders ausgeprägt wie beim sogenannten Kammerflimmern, kann es in der Folge zum plötzlichen Herztod kommen. Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt bleiben Sie daher die ganze Zeit über an ein EKG-Gerät angeschlossen, das bei Auffälligkeiten sofort Alarm gibt.

Herzinfarkt Untersuchungsmethoden

Behandlung

Was verursacht einen Herzinfarkt? In der überwiegenden Zahl der Fälle kommt es zu einer sogenannten Plaqueruptur, also einer Verletzung der innersten Gefäßwandschicht. Unmittelbar bildet sich ein Blutgerinnsel, das zu einem kompletten Gefäßverschluss führt. Dies erklärt das abrupte Einsetzen von Beschwerden. Die Herausforderung bei der Behandlung eines Herzinfarkts besteht darin, das verschlossene Herzkranzgefäß so schnell es geht wieder zu öffnen. Zur Stabilisierung ihres Zustandes und zur Schmerzlinderung erhalten Patienten bereits im Rettungswagen Sauerstoff, Medikamente, die die Gerinnselbildung beeinflussen, und Schmerzmittel. In der Klinik erfolgt dann nach der Erstdiagnostik mit EKG und Labor in der Regel schnellstmöglich eine Herzkatheter-Untersuchung. Findet sich ein verschlossenes Koronargefäß, so kann mittels Ballondilatation der Verschluss beseitigt werden. Heute erfolgt in fast allen Fällen die zusätzliche Implantation eines Stents, um den Behandlungserfolg zu festigen.

Der Behandlungserfolg hängt davon ab, wie viel Zeit seit Beginn des Infarkts vergangen ist. Wird die Wiedereröffnung des betroffenen Gefäßes innerhalb der ersten 90 Minuten nach Einsetzen der Symptome erreicht, sind die Aussichten den Herzinfarkt ohne größere Komplikationen oder Langzeitfolgen zu überstehen besonders günstig. Je länger es bis zur Wiedereröffnung dauert, desto größer der resultierende Herzmuskelschaden. Erfolgt die Therapie später als 12 Stunden, so ist meist kein betroffenes Herzmuskelgewebe mehr zu retten. Besteht keine Möglichkeit zur invasiven Koronardiagnostik und –therapie, so kann innerhalb der ersten sechs Stunden eine medikamentöse Therapie erfolgen, bei der versucht wird, mit Hilfe eines Medikamentes das Blutgerinnsel aufzulösen. Die sogenannte Lysetherapie ist aber die Therapie zweiter Wahl!

Ist es für eine Lysetherapie bereits zu spät oder ist sie nicht erfolgreich, dann kann mittels Herzkatheter eine sogenannte Ballondilatation zur Wiedereröffnung des verschlossenen Gefäßes durchgeführt werden (PTCA). Die PTCA ist bei einem Herzinfarkt die effizienteste und daher empfohlene Behandlungsmethode, um schnell wieder für eine ausreichende Durchblutung des Herzmuskels zu sorgen. Bei sehr ausgeprägten Veränderungen der Herzkranzgefäße kann auch eine Bypass-Operation nötig werden. Der Arzt entnimmt dafür an einer anderen Körperstelle eine Vene, um die Engstelle des Gefäßes zu überbrücken.

Da es auch noch nach erneuter Öffnung des verschlossenen Gefäßes zu Komplikationen oder einem weiteren Infarkt kommen kann, werden Herzinfarktpatienten zunächst intensivmedizinisch überwacht. Bei unkompliziertem Verlauf beginnt bereits in den ersten Tagen nach dem Infarkt eine spezielle Krankengymnastik. Zudem ist die lebenslange medikamentöse Therapie mit ASS, Betablockern, Cholesterinsenkern und anderen Medikamenten angezeigt.

Ergänzend zu einer medikamentösen Therapie ist eine Änderung des Lebensstils von größter Bedeutung und am schwierigsten zu erreichen. Moderater Ausdauersport wie Walken oder Schwimmen, eine gesunde Ernährung und der Verzicht auf Nikotin helfen das Voranschreiten der KHK zu stoppen.

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