Patienteninformationen

Darmkrebs

Überblick

Darmkrebs ist in Deutschland bei Männern und Frauen die zweithäufigste Krebserkrankung[1]. Während jüngere Menschen unter 40 statistisch gesehen sehr selten an Darmkrebs erkranken, steigt das Erkrankungsrisiko ab etwa 50 Jahren kontinuierlich an. In der Regel entwickeln sich bei Darmkrebs ursprünglich gutartige Darmpolypen (Adenome) über einen längeren Zeitraum hinweg zu bösartigen Tumoren. Noch kann die Forschung nicht mit Sicherheit sagen, was Zellen entarten lässt und schließlich zu Darmkrebs führt. Wie bei anderen Krebserkrankungen gilt auch für Darmkrebs, dass sich Tumoren umso erfolgreicher behandeln lassen, je kleiner sie sind und je eher sie erkannt werden.

Verschaffen Sie sich aus Vorsorgegründen einen ersten Überblick zu Darmkrebs und lernen Sie, Ihre persönlichen Risikofaktoren abschätzen. Erfahren Sie, welche Methoden der Früherkennung es gibt und welche Therapien bei der Diagnose Darmkrebs auf Sie zukommen könnten. Je besser Sie über Darmkrebs aufgeklärt sind, desto besser verstehen Sie, warum Ihnen Ihr Arzt eine bestimmte Behandlung vorschlägt. Mit diesem Angebot wollen wir Ihnen einen aktiveren Umgang mit der Diagnose Darmkrebs ermöglichen.

Patienteninformationen Darmkrebs

Risikofaktoren

Als Verdauungsorgan kommt der Darm mit allem, was wir essen in Kontakt. Eine unausgewogene Ernährung mit zu hoher Kalorienaufnahme und einem zu geringen Anteil pflanzlicher Lebensmittel begünstigt in Kombination mit Bewegungsmangel und Übergewicht eine Darmkrebserkrankung. Alkohol- und Zigarettenkonsum werden von Fachleuten ebenfalls als Risikofaktoren bewertet. Wenn Sie sich an folgende Handlungsempfehlungen halten, haben Sie schon einiges getan, um Darmkrebs aktiv vorzubeugen: 

  • Sorgen Sie täglich für Bewegung.
  • Vermeiden Sie Übergewicht.
  • Achten Sie bei Ihrer Ernährung auf einen ausreichenden Ballaststoffanteil, z. B. indem Sie pro Tag fünf Portionen Obst oder Gemüse zu sich nehmen.
  • Essen Sie statt rotem Fleisch oder verarbeiteten Fleischprodukten wie Wurst lieber mehr Fisch.
  • Meiden Sie Alkohol und Tabak.
  • Vitaminpräparate als Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine vitaminreiche Ernährung und werden daher nicht empfohlen.

Andere Risikofaktoren wie Lebensalter oder eine genetisch bedingte Häufung von Darmpolypen können Sie leider nicht selbst beeinflussen. Vor allem wenn es in Ihrer Familie bereits zu (Darm-)Krebserkrankungen gekommen ist oder Sie selbst an einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (z.B. Colitis ulcerosa) leiden, sind regelmäßige Krebsvorsorgeuntersuchungen besonders sinnvoll. Wenn Sie unsicher sind, was Ihr persönliches Risiko betrifft, lassen Sie sich am besten von Ihrem Arzt beraten.

Diagnose

Das Gefährliche an Darmkrebs ist, dass er oft bis zu einem relativ späten Stadium keine charakteristischen Symptome mit sich bringt. Darmkrebs frühzeitig selbst zu erkennen, ist daher kaum möglich. Dennoch sollten Sie folgende Beschwerden in jedem Fall ärztlich abklären lassen: 

  • Veränderungen der Art und Häufigkeit der Stuhlentleerung – dies gilt vor allem dann, wenn Sie älter als 40 Jahre sind und sich diese Veränderungen schleichend bemerkbar machen
  • Blutbeimengungen im Stuhl (unsichtbares Blut im Stuhl lässt sich mithilfe eines sog. Hämocculttest nachweisen)
  • Müdigkeit, Appetitlosigkeit, ungewollte Gewichtsabnahme und Blutarmut (Anämie)
  • Schmerzen in der Bauchregion, denn große Tumoren können das Darmlumen mitunter stark einengen und damit sogar einen Darmverschluss verursachen

Je eher Darmkrebs erkannt wird, desto besser sind die Aussichten auf eine vollständige Heilung. Ab dem 55. Lebensjahr zahlen Ihnen die gesetzlichen Krankenkassen alle 10 Jahre eine Darmspiegelung (Koloskopie) zur Darmkrebsvorsorge. Nehmen Sie diese unbedingt wahr, denn wie Berechnungen des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg belegen, ist eine Darmspiegelung die beste Vorsorge gegen Darmkrebs[2]. Der Grund: Gutartige Darmpolypen, aus denen sich später vielleicht Darmkrebs entwickeln könnte, werden früh erkannt und während der Koloskopie sicherheitshalber entfernt. Das Risiko, in den nächsten 10 Jahren an Darmkrebs zu erkranken, wird so erheblich reduziert.

Untersuchung

Bei unklaren Verdauungsbeschwerden oder Bauchschmerzen wird Ihr Arzt zunächst mit einem Stethoskop Ihre Darmgeräusche überprüfen und den Bauch gründlich abtasten. Nun folgt die rektale Untersuchung, d.h. das Austasten des Mastdarms mit dem Finger. Diese Untersuchung empfinden viele Menschen als besonders unangenehm. Doch auf diesem Wege lassen sich bereits ein Viertel aller Mastdarmtumoren entdecken. Neben anderen weiterführenden Untersuchungen, kann bei entsprechendem Verdacht Ihr Stuhl auf Blutbeimengungen überprüft werden.
Sollte Ihr Arzt bei Ihnen Hinweise auf Darmkrebs gefunden haben, wird er Sie zur weiteren Abklärung umgehend an einen Spezialisten, den Gastroenterologen überweisen. Dieser führt dann bei Ihnen eine Darmspiegelung durch. Um die Darmschleimhäute genau untersuchen zu können, muss der Darm zuvor gründlich entleert werden. Dafür müssen Sie am Tag vor der Untersuchung nach Anweisung des Arztes Abführmittel nehmen und sollten vorher nichts essen.

Bei der Darmspiegelung führt der Arzt einen dünnen, biegsamen Schlauch (Endoskop) durch den After in den Darm ein und schiebt diesen vorsichtig bis zum Übergang vom Dick- zum Dünndarm voran. Eine Minikamera an der Spitze des Endoskops filmt die Darmschleimhaut im Inneren des Darms. Entdeckt Ihr Arzt auf diesem Wege einen Darmpolypen, kann er diesen mit Hilfe einer speziellen Schlinge abtrennen und vorsorglich aus dem Darm entfernen. Entnommene Darmpolypen und weitere Gewebeproben werden nach der Darmspiegelung genau analysiert. So lässt sich feststellen, ob ein bösartiger Tumor vorliegt. Das Abtragen von Polypen ist schmerzfrei, die Darmspiegelung selbst kann jedoch Schmerzen verursachen. Bei Bedarf wird Ihnen Ihr Arzt dagegen ein Medikament geben.

Wenn Ihr Darm aufgrund entzündlicher Prozesse oder Operationen verengt ist, kann alternativ eine virtuelle Koloskopie mittels Computertomographie (CT) durchgeführt werden. Allerdings können mit dieser Methode keine Gewebeproben entnommen und keine Darmpolypen entfernt werden.

Sollte bei Ihnen ein Darmtumor entdeckt worden sein, sind weitere Untersuchungen zur Suche nach möglichen Tochtergeschwülsten (Metastasen) notwendig. Darmkrebs streut vorwiegend in die Leber und die Lunge. Bei der Suche nach Metastasen in Leber und Bauchraum kommt in erster Linie Ultraschall, aber auch die Magnetresonanztomographie (MRT) zum Einsatz, während die Lunge mittels einer Röntgenuntersuchung durchleuchtet wird.

Darmkrebs Untersuchungsmethoden
Ultraschallbild einer Leber

Behandlung

Bei der Behandlung von Darmkrebs steht die vollständige operative Entfernung des Tumors im Vordergrund. Bei fortgeschrittenen Tumoren des Dickdarms die operativ nicht primär entfernt werden können, kann eine vorherige Chemotherapie zur Verkleinerung des Tumors und damit Verbesserung der operativen Möglichkeiten erwogen werden. Speziell bei Tumoren des Mastdarms wird bei einer lokal fortgeschrittenen Situation eine Strahlentherapie oder Strahlenchemotherapie empfohlen, um im Anschluss eine komplette operative Entfernung des Tumors zu ermöglichen.

Wie viel Darm und versorgende Blut- und Lymphgefäße entnommen werden müssen, hängt von der individuellen Situation und der genauen Lage des Tumors ab. Entscheidend ist, dass der gesamte Tumor mit einem gewissen Sicherheitsabstand entfernt wird. Da das Risiko besteht, dass sich in benachbarten Lymphknoten Metastasen bilden könnten, wird das mit dem erkrankten Darmabschnitt in Verbindung stehende Lymphgewebe bei der Operation mit entfernt und auf krankhafte Zellen untersucht. Sollten im Vorfeld weitere Metastasen z. B. in der Leber entdeckt worden sein, werden diese nach Möglichkeit ebenfalls operiert.

Unter Umständen braucht es nach der Operation eine gewisse Zeit, bis Sie die vollständige Kontrolle über Ihre Darmentleerung zurückerlangen. Teilweise muss während der Wundheilung vorübergehend auch ein künstlicher Darmausgang (Stoma) angelegt werden. Wenn der Tumor im unteren Bereich des Mastdarms liegt, bleibt manchmal nichts anderes übrig, als den Schließmuskel ebenfalls zu entfernen. Dann werden Sie leider dauerhaft auf einen künstlichen Darmausgang angewiesen sein. Studien haben jedoch gezeigt, dass Patienten, die nach einem Rektumkarzinom ein Stoma bekamen, einige Zeit später in etwa mit dem Behandlungsergebnis und den Folgen für ihren Alltag ähnlich zufrieden waren wie Patienten ohne künstlichen Darmausgang[3].

In Abhängigkeit vom abschließenden Tumorstadium und Vorliegen von Risikofaktoren wie z.B. Einbruch des Tumors in Blut- oder Lymphgefäße muss über die Notwendigkeit einer anschließenden Chemotherapie entschieden werden. Diese dient dazu das Risiko eines Tumorrückfalls zu reduzieren.
Sollten bei Ihnen bereits Metastasen vorliegen, die nicht operativ entfernt werden konnten, muss eine Chemotherapie angeschlossen werden.

Zur Nachsorge und Kontrolle müssen Sie sich in den ersten Jahren nach der Operation regelmäßig einer Darmspiegelung unterziehen. Ergänzend können wie schon bei der Diagnose weitere Untersuchungsmethoden angewandt werden. Dazu zählen neben Ultraschall die Magnetresonanztomographie (MRT), die Computertomographie (CT) und Röntgenuntersuchungen sowie die Kontrolle des Blutes auf Tumormarker (CEA) im Labor. Sie tragen mit dazu bei, ein mögliches Wiederauftreten des Darmkrebses (Rezidiv) bereits in einem sehr frühen Stadium zu erkennen.

Darmkrebs Behandlungsmethoden