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Schlaganfall

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Überblick

In Deutschland ist ein Schlaganfall bei Männern und Frauen die dritthäufigste Todesursache[1]. Betroffen sind vor allem Menschen über 70, aber auch sehr junge Leute können Opfer eines Schlaganfalls werden. Von einem Schlaganfall spricht man, wenn es im Gehirn zu einer Unterversorgung mit sauerstoffreichem Blut kommt und daraufhin Gehirnzellen absterben.

Prinzipiell lassen sich zwei Arten von Schlaganfall unterscheiden. In der überwiegenden Mehrzahl der diagnostizierten Fälle handelt es sich um einen Schlaganfall infolge verstopfter Blutgefäße (ischämischer Infarkt). Für den Gefäßverschluss kommen zwei Ursachen in Frage: Entweder hat sich an einer durch Arteriosklerose bedingten Engstelle ein Blutgerinnsel (Thrombus) gebildet oder es wurde aus einer anderen Körperregion angeschwemmt und hat im Gehirn ein Gefäß verstopft. Eine andere Variante ist der sogenannte hämorrhagische Schlaganfall. Dabei platzt im Gehirn ein Blutgefäß und das austretende Blut zerstört gesunde Gehirnsubstanz.

Da bei einem Schlaganfall immer gesundes Gehirngewebe geschädigt wird, leiden Betroffene oft unter anhaltenden körperlichen Einschränkungen wie Lähmungen oder Sprachstörungen. Umso wichtiger ist es daher zu wissen, wie sich ein Schlaganfall bemerkbar macht, um im Ernstfall schnell reagieren zu können. Denn je eher mit der Behandlung begonnen werden kann, desto mehr Gehirnzellen lassen sich retten. Und desto aussichtsreicher sind die Chancen, hinterher ein selbstbestimmtes Leben mit nur geringen neurologischen Ausfällen führen zu können. Unser Angebot kann Ihnen bei der Vorbeugung und Bewältigung eines Schlaganfalls eine erste Orientierung und Unterstützung sein.

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Risikofaktoren

Wer einen Schlaganfall erleidet, war vorher häufig von Arteriosklerose betroffen. Darunter versteht man die Ablagerung von Plaques an den Innenwänden der Arterien. Es entstehen Engstellen, die im weiteren Verlauf völlig verstopfen können. Geschieht dies im Gehirn, liegt ein Schlaganfall vor.

Somit ist Arteriosklerose in vielen Fällen als Vorstadium eines Schlaganfalls zu bewerten. Die Risikofaktoren für die Entwicklung einer Arteriosklerose sind daher im Wesentlichen die gleichen wie für einen Schlaganfall. Rauchen, hoher Blutdruck, fettreiche Ernährung, wenig Bewegung, Übergewicht, hohe Cholesterinwerte oder Diabetes erhöhen das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden. Je besser Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, erhöhte Blutfette oder Diabetes eingestellt sind, desto geringer das Risiko, später von einem Schlaganfall überrascht zu werden.

Auch Frauen, die zur Empfängnisverhütung die „Pille“ verwenden, sind statistisch gesehen häufiger von einem Schlaganfall betroffen. Das gilt insbesondere dann, wenn sie gleichzeitig rauchen. Wenn es in Ihrer Familie bereits zu einem oder mehreren Schlaganfällen gekommen ist, gehören Sie ebenfalls zum Personenkreis mit erhöhtem Risiko für einen Schlaganfall.

Zu einem erhöhten Risiko eine Hirnblutung zu erleiden, tragen arterielle Gefäßwandfehlbildung, sogenannte Aneurysmata bei. Gefährdet sind Sie zudem, wenn Sie an einer angeborenen Blutgerinnungsstörung leiden oder regelmäßig blutverdünnende Medikamente einnehmen müssen, da der herabgesetzte Blutgerinnungsfaktor Gehirnblutungen bei großen körperlichen Anstrengungen begünstigt. Sollten Sie unsicher sein, wie groß Ihr persönliches Risiko für einen Schlaganfall ist, konsultieren Sie am besten Ihren Arzt.

Diagnose

Oft kommt es bereits einige Zeit vor einem Schlaganfall zu einer sogenannten transitorischen ischämischen Attacke (TIA). Diese kurzzeitigen Durchblutungsstörungen des Gehirns ähneln stark den unten beschriebenen Symptomen eines akuten Schlaganfalls, sind jedoch nur vorübergehend. Wenn Sie solche TIAs schon einmal bei sich bemerkt haben, sollten Sie in jedem Fall schnellstmöglich einen Arzt aufsuchen. Mit einer geeigneten Medikation lässt sich ein drohender Schlaganfall häufig noch verhindern.

Schlaganfall Diagnose

Die typischen Symptome eines Schlaganfalls sind:

  • Bewusstseinstrübung, von Müdigkeit bis hin zu Bewusstlosigkeit
  • Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, insbesondere in Verbindung mit plötzlich aufgetretenen, nie dagewesenen Kopfschmerzen
  • Lähmungen und Gefühlsstörungen (z.B. Taubheit eines Armes)
  • Schluckbeschwerden
  • Sprach- oder Sehstörungen
  • (Plötzlich auftretender) Gedächtnisverlust 
Schlaganfall Diagnose

Mit einem einfachen Test[2] können Sie die häufigsten Zeichen selbst überprüfen:

  • Bitten Sie die Person, zu lächeln > Das Gesicht wird bei Lähmung nur einseitig verzogen (ein Mundwinkel „hängt“).
  • Bitten Sie die Person, gleichzeitig beide Arme nach vorne zu heben, Handflächen nach oben > Bei einer Lähmung kann ein Arm nicht gehoben werden bzw. sinkt oder dreht sich, vor allem bei geschlossenen Augen, nach innen ab.
  • Bitten Sie die Person, einen einfachen Satz nachzusprechen > Der Satz muss korrekt wiederholt werden, die Sprache darf nicht verwaschen sein.
Wenn diese Symptome auftreten, gilt es, keine Zeit mehr zu verlieren:
Wählen Sie die 112 und rufen Sie den Rettungsdienst!


Wenn eine andere Person und nicht Sie selbst betroffen sind, versuchen Sie bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes beruhigend auf ihn oder sie einzuwirken. Eine leichte Hochlagerung des Oberkörpers und gelockerte Kleidung erleichtern die Atmung. Sollte die betroffene Person das Bewusstsein verlieren, müssen Sie prüfen, ob sich Atmung und Puls noch feststellen lassen. Ist dies nicht der Fall, muss sofort mit einer Herzdruckmassage begonnen werden.

Idealerweise bringen die Notärzte den Betroffenen direkt in eine Klinik mit einer speziellen Schlaganfall-Station (Stroke Unit). Wenn der Weg dorthin zu weit ist, wird der Krankenwagen die nächstgelegene Klinik ansteuern. Hier kann der Patient stabilisiert und gegebenenfalls bereits eine Therapie eingeleitet werden oder es erfolgt eine Weiterverlegung in eine Klinik mit Stroke Unit.

Untersuchung

Bei einem Schlaganfall zählt jede Minute. Die besten Aussichten auf eine weitestgehende Wiederherstellung Ihrer Gesundheit bestehen, wenn die Behandlung innerhalb der ersten drei Stunden nach Auftreten der Symptome eingeleitet werden kann. Bevor dies geschehen kann, muss jedoch zuerst die richtige Diagnose gestellt werden (verstopftes oder geplatztes Gefäß?).

Neben einer gründlichen neurologischen und internistischen Untersuchung kommen dabei vor allem Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) zum Einsatz. Diese bildgebenden Verfahren ermöglichen es den Ärzten, Arterien und Blutgefäße des Gehirns sichtbar zu machen und so einen möglichen Gefäßverschluss oder eine Hirnblutung zu erkennen. Noch aufschlussreicher sind diese Untersuchungsmethoden, wenn zusätzlich Kontrastmittel verabreicht wird.

Auch Herzrhythmusstörungen – insbesondere das sogenannte Vorhofflimmern, eine vorübergehende oder chronische Ungleichmäßigkeit in der Tätigkeit der Herzvorhöfe – können den Schlaganfall mit verursacht haben. Der Grund: Vorhofflimmern begünstigt das Entstehen kleinerer Blutgerinnsel im Herzen, die ins Gehirn gespült werden und dort Gefäße verstopfen können.

Um herauszufinden, ob dies bei Ihnen der Fall ist, werden die Ärzte daher in jedem Fall auch ein EKG sowie eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie) durchführen. Eine weitere Ursache können durch Arteriosklerose bedingte Engstellen der Halsgefäße sein, deren Ultraschalluntersuchung die Suche nach der Ursache eines Schlaganfalls komplettiert.

Für die behandelnden Ärzte ist es zudem wichtig, gut über Vorerkrankungen informiert zu sein. Falls Sie selbst sich nicht mehr ausreichend mitteilen können, sollte ein begleitender Angehöriger das Gespräch übernehmen.

Schlaganfall Untersuchungsmethoden

Behandlung

Die Behandlung eines Schlaganfalls richtet sich nach seiner Ursache und konzentriert sich in der Akutphase darauf, in den betroffenen Gehirnregionen schnell wieder für eine ausreichende Durchblutung zu sorgen. Durch eine Infusion mit speziellen blutverdünnenden Medikamenten (Thrombolytika) versuchen die Ärzte bei einem Gefäßverschluss bedingten Schlaganfall das Blutgerinnsel aufzulösen. Ist hingegen eine Gehirnblutung die Ursache des Schlaganfalls, dürfen selbstverständlich keinesfalls blutverdünnende Medikamente gegeben werden. Die Behandlung orientiert sich hier an der Größe der Blutung und deren Lokalisation im Gehirn. Unter Umständen muss vorübergehend ein Teil der Schädeldecke entfernt werden, um den Druck auf das Gehirn zu reduzieren.

Ein Schlaganfall ist immer eine lebensbedrohliche Situation. Durchblutung und Stoffwechselfunktionen werden daher meist intensivmedizinisch überwacht. Kontrolliert werden dabei alle wichtigen medizinischen Werte wie Herzfrequenz, Blutdruck, Atmung, Blutzucker, Körpertemperatur, Hirn- und Nierenfunktion, das Wasser- und Elektrolytgleichgewicht sowie der Säuren-Basen-Haushalt. Das gelingt am besten in spezialisierten Schlaganfall-Stationen, auch „Stroke Units“ genannt.

Auch was die an die Akutbehandlung anschließenden ersten Rehabilitationsmaßnahmen angeht, sind Sie in einer Stroke Unit optimal versorgt. Je eher und intensiver nach einem Schlaganfall mit einem individuellen Training auf neurologische Defizite reagiert wird, desto wahrscheinlicher ist es, dass Sie nur kleinere Einschränkungen davontragen. Natürlich richtet sich der Trainingsbeginn nach dem Allgemeinzustand bzw. der Schwere des erlittenen Schlaganfalls.

In der Regel lohnt sich die 4- bis 6-wöchige Rehabilitation für nahezu alle Patienten. Forscher gehen nämlich davon aus, dass andere Gehirnareale die Funktionen der geschädigten Bereiche bis zu einem gewissen Grad erlernen und übernehmen können. Jüngere Betroffene machen dabei im Allgemeinen schnellere und größere Fortschritte als ältere Patienten. Sind die Folgen des Schlaganfalls jedoch zu schwerwiegend, kann auch eine Rehabilitation in einer Spezialklinik kaum etwas bewirken. In solchen Fällen werden Patienten meist nach Hause oder in eine Pflegeeinrichtung überwiesen. Mit dieser neuen Lebenssituation umzugehen, ist eine immense Herausforderung, auch für Angehörige. Suchen Sie sich in diesem Fall jede mögliche Unterstützung.

Schlaganfall Behandlungsmethoden